Auszüge aus dem Eslarner
"Heimatbuch", Dr. Josef Hanauer
Brauwesen
Bier galt ursprünglich weit mehr als Nahrungs-, viel weniger als
Genussmittel. Wenn der aus dem Finkenhammer stammende Regensburger
Bischof Michael Wittmann von der Not der armen Leute sprach, dann
bemerkte er des öfteren, sie seien so unvermögend, dass sie sich
nicht einmal täglich ein "Köpfel Bier" leisten könnten. Der älteste
Bericht über Biergenuss in Eslarn stammt aus dem Jahr 1529/30.
Ausgerechnet der Pfarrer des Ortes taucht im Zusammenhang damit auf.
Pfarrer Matthias Holzprobst hatte sich eines Vergehens schuldig
gemacht; er hatte Bier gebraut, aber vorher das Malz nicht messen
lassen. Zur Strafe für sein Vergehen musste er drei Schilling
zahlen.
Bier wurde in der Oberpfalz seit unvordenklichen Zeiten gebraut. Ein
amtliches Schreiben vom November 1798 stellt fest, man habe in
Erfahrung gebracht, "dass sich das oberpfälzische Sudwesen schon in
der ältesten Landesverfassung begründe, deren Ursprung jedoch noch
niemal erfindlich gewesen, wohl aber zu glauben ist, dass sich
dieses seit mehreren Jahrhunderten von jenen Zeiten erlangt hat".
Das alte Recht sollte auch weiter unangetastet bleiben, namentlich
das Recht, "dass in den oberpfälzischen Städten und Märkten ein
jeder wirklicher Bürger " gegen Bezahlung der herkömmlichen Gebühren
so viel "braunes Bier" brauen dürfte, als er benötigte. Außerdem
wurde jedem Bürger das Recht eingeräumt, sein Bier entweder "bei
Haus" auszuschenken oder in Fässern abzugeben. Aus auswärtigen Orten
durfte in die Oberpfalz nur ausnahmsweise Bier eingeführt werden,
falls im Inland ein Mangel vorhanden war.
Malz- und Brauhaus
1. Das herrschaftliche Malz- und Brauhaus
Die Eslarner Hofmarksherren besaßen auf ihrem Grund ein eigenes
Malz- und Brauhaus. Dieses stand ursprünglich in der Nähe des alten
Schlosses, an der Stelle, wo sich in unserer Zeit das Anwesen
Mittlere Bachgasse 5 befindet. Noch im Jahre 1840 wurde es als "Mulzerhaus"
bezeichnet. An das Malzhaus erinnern noch mehrere Flurnamen.
Das zum Schloss gehörige Brauhaus diente in der Regel dem
Eigenbedarf der Hofmarksherren. Diese haben aber auch das "gesottene
Bier hin und wieder verkauft". Ohne Zweifel haben die Hofmarksherren
das Brauhaus bereits im 15. Jahrhundert gebaut; es wird allerdings
erst im Jahre 1583 urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit befand sich in
der Nähe des Malzhauses auf dem Grund des Hieronymus Stöckel auch
eine Taferne. Die Eslarner bezeichneten sie als das "Wirtshaus auf
dem Ratschin" (Mittlere Bachgasse 3).
Bei dem großen Brand des Jahres 1567 wurde das alte Schloss und das
dazugehörige Malz- und Brauhaus ein Raub der Flammen. Hieronymus
Stöckel verlegte sein neues Schloss auf den "Wenzelsberg". Unterhalb
baute er um den Preis von mehr als 500 Gulden in ein neues Malz- und
Brauhaus (heute: das Kommunbrauhaus).
2. Das bürgerliche Brauhaus
Eslarn verfügte von altersher über ein Brauhaus. Das Bier diente nur
für den Eigenbedarf der Einwohner. So lieferte beispielsweise im
Jahr 1623 der Markt Eslarn kein Bier an einen auswärtigen Wirt, wie
es bei anderen Städten und Märkten der Fall war. Während des
Dreißigjährigen Krieges fehlte vielfach das nötige Getreide, so dass
auf das gewohnte Bier verzichtet werden musste.
Das ursprüngliche Kommunbrauhaus befand sich an der Stelle, wo in
unserer Zeit das Anwesen des "Wasserschmiedes" (Pfarrer-Bayer-Straße
4) steht. Im Jahre 1868 brannte das Brauhaus ab; es wurde im selben
Jahr wieder aufgebaut. Ungefähr dreißig Jahre später, im Jahr 1900,
hat man das Brauhaus abgebrochen und ein neues am Südrand der
"Hofweiherwiesen" in Betrieb genommen. An dieser Stelle befand sich
bereits ein Brauhaus, das aber schon lange nicht mehr in Betrieb
stand; es war von Hieronymus Stöckel nach dem Brand von 1567 gebaut
worden. Das "herrschaftliche" Brauhaus wies im Laufe der Zeit immer
größere Bauschäden auf; es hat sich niemand besonders um eine
Ausbesserung gekümmert. Im Jahr 1755 wurde es vom Markt Eslarn um
150 Gulden käuflich erworben; die Gebäulichkeiten waren damals
"ziemlich ruinös". An dieser Stelle also hat im Jahre 1900 der Markt
Eslarn sein neues Brauhaus errichtet.
Das bürgerliche Brauhaus, das allgemein Kommunbrauhaus
genannt wurde, war Eigentum der Marktgemeinde. In einem Bericht des
Jahres 1777 heißt es: Nach altem Herkommen ist in Eslarn "ein jeder
Bürger" berechtigt, Bier zu brauen und "im Haus anzuzapfen". Aus
einem Bericht des Jahres 1779 erfahren wir, dass damals im
Kommunbrauhaus 1717 Eimer Bier und 300 Eimer Kofent (Dünnbier)
gebraut wurden. Im Laufe der Jahre haben immer mehr brau- und
schankberechtigte Eslarner ihr Recht ablösen lassen. Im Jahr 1844
gab es im Markt 166 Bürger, die ihr Bier brauen und ausschenken
durften. Vom Schankrecht machten 1841/42 32 Bürger Gebrauch; 1842/43
taten es noch 20, im Jahr 1843/44 nur mehr 16. Im Jahr 1871 gab es
noch 130 kommunbrauberechtigte Bürger; aber nur 26 machten von ihrem
Recht Gebrauch. Im Jahre 1946 gab es noch 130 Kommunbrauer; im Jahre
1989 nahmen nur mehr 62 Brauberechtigte ihr Recht in Anspruch; vier
von diesen stammten aus den Nachbargemeinden Schönsee, Moosbach und
Waidhaus.
Früher hat ein beachtlicher Teil der brauberechtigten Eslarner bei
Gelegenheit Bier auch an Gäste ausgeschenkt. Dies geschah nicht das
ganze Jahr über, sondern nur zu der Zeit, da genügend Bier gebraut
worden war. Die Schankwirte gaben dies durch ein besonderes
"Zeichen" an ihrem Haus zu erkennen - darum der Name "Zoiglwirt".
Im Jahre 1946 und noch viele Jahre danach gab es in Eslarn 15 Zoiglwirte. Inzwischen haben nicht wenige Kleinlandwirte ihren
Betrieb aufgegeben. Im Zusammenhang damit hat sich auch die Zahl der
Hausbrauer verringert; es gibt auch nur mehr wenige Zoiglwirte.